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2/2017

JUGENDSCHUTZ

FORUM

O

10

Praxis

Hessen

Mehr Salafismus-

Prävention gefordert

Gegen islamistischen Extremismus müsste

in Hessen deutlich mehr für die Prävention

bei Kindern und Jugendlichen getan wer-

den. Nach einer Meldung der Frankfurter All-

gemeinen Zeitung (FAZ) fordert die Gewerk-

schaft Erziehung und Wissenschaft (GEW),

die Aufklärungsarbeit in den Schulen gegen

die Gefahren des Salafismus zu stärken. Es

gebe einen großen Bedarf bei Lehrern, sich

zusätzliches Wissen anzueignen.

Das Kultusministerium erklärte laut

faz.net,

dass Fortbildungen zur Salafismuspräven-

tion von ihrem Haus, aber auch von anderen

Stellen, wie dem Innenministerium, über

das Hessische Informations- und Kompe-

tenzzentrum gegen Extremismus finanziert

würden. Zudem werde die „Beratungsstelle

Hessen“ gefördert, die als Anlaufstelle für

alle gedacht ist, die Unterstützung in der

Auseinandersetzung mit religiös begrün-

detem Extremismus benötigen. Außerdem

biete das Landesamt für Verfassungsschutz

Lehrerfortbildungen an.

(JSF)

Indizierung oder

Medienkompetenz?

„Ich würde gar keine Grenzziehung

vornehmen zwischen dem, was Me-

dienkompetenz noch leisten kann, und

dem, was gesetzlicher Jugendmedien-

schutz regulieren muss. Meiner Ansicht

nach geht es vielmehr darum, dass der

gesetzliche Jugendmedienschutz – wie

auch die Indizierung – den Rahmen für

die Medienerziehung vorgibt und eine

Art „Leitplankenfunktion“ innehat.

Mit Blick in die Zukunft sehe ich die

Entwicklung weg von der einzelfall-

bezogenen Wirkungsbetrachtung hin

zu einer übergeordneten Definition

von zulässigen und nicht mehr zuläs-

sigen Medieninhalten in Bezug zu den

grundgesetzlich geschützten Werten.

Im besten Fall greifen die unterschied-

lichen Maßnahmen ineinander und die

restriktiven Mittel flankieren gewisser-

maßen Prävention, Aufklärung und

Befähigung.“

Martina Hannak-Meinke, Vorsitzende

der Bundesprüfstelle für jugendgefähr-

dende Medien (BPjM) im Interview mit

der Zeitschrift tv diskurs (Herausgeber:

Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen –

FSF e. V., Berlin)

www.tvdiskurs.de

NRW

Kein Kind zurücklassen! – Ein „unhaltbares Versprechen“?

„Kein Kind zurücklassen - Kekiz“, das ist

das Ziel der (vormaligen) Landesregierung

von NRW. Die Idee, die hinter dem Projekt

steht, ist einfach: Wenn sich der Staat heute

besser um die Kinder kümmere, werden sie

morgen vielleicht nicht arbeitslos oder krank

oder kriminell. Die Wochenzeitung „Die Zeit“

fragt, ob das stimme? Die Zeitung ist da

eher skeptisch. „Vorsorgen statt reparieren“

sei ein Versprechen, dass die Landesregie-

rung bisher nicht hat einlösen können. Für

die Zeitung sei das Projekt ein „unhaltbares

Versprechen“. Ist das wirklich so?

Das Projekt „Kein Kind zurücklassen!“ gebe

es eigentlich zweimal. Einmal als großen

Slogan, einmal als kleines Projekt. Unter

dem großen Slogan werde „einfach alles,

was die Landesregierung oder die Kommu-

nen sowieso für Kinder und Jugendliche tun,

subsumiert. Jeder Euro für Lehrergehälter,

Kindertagesstätten und Jugendzentren

werde nun als vorbeugende Politik aus-

gegeben“, kritisiert das Blatt. Im Grunde

genommen mache Kekiz gar nichts Neues:

Es koordiniert und bewirbt nur Dinge, die

es ohnehin schon gibt. Es seien aber erst

die Modellprojekte, die dem Slogan seine

Glaubwürdigkeit verleihen sollen.

Zielgruppe nicht erreicht?

8,4 Millionen Euro hat Kekiz von 2012 bis

2016 gekostet, davon musste das Land nur

1,9 Millionen bezahlen. Der große Rest kam

von der Bertelsmann-Stiftung und aus dem

Sozialfonds der Europäischen Union.

Aber die, die erreicht werden sollten, kamen

Basel (Schweiz)

Alkoholverbot in Jugendhäusern wird zur Existenzfrage

Die Politik hat den Baseler Jugendhäusern

„ein Ei gelegt“, so sieht es jedenfalls die

Internetplattform

„barfi.ch

“. Bei der Revision

des kantonalen Gastgewerbegesetzes er-

laubte das Parlament Schwimmbädern und

Jugendhäusern, uneingeschränkt Alkohol

auszuschenken. Die Christdemokratische

Volkspartei (CVP) im Stadtrat ist dagegen

und sieht den „Jugendschutz gefährdet“.

Ein überparteiliches Komitee kämpft gegen

das Referendum: „Außerhalb der Jugendzent-

ren fehlt eine soziale Kontrolle, wodurch Alko-

hol anonym und unbegleitet getrunken wird.“

Maßvoller Umgang

Die Betreiber der Baseler Jugendzentren

hätten schon jahrelang nachgewiesen, dass

ein maßvoller Umgang mit Alkohol in den

„Jugis“ möglich sei und dass die Organisa-

tion sich akribisch an das Jugendschutz-

gesetz halte.

Vertreter der Jugendarbeit Basel geben der-

weil zu Bedenken, dass sieben Jugendzent-

ren, gemäß Leistungsvereinbarung mit dem

Kanton, dreißig Prozent des Budgets selbst

erwirtschaften müssen. Wenn bei speziel-

len Anlässen oder Vermietungen an über

18-jährige kein Alkohol mehr ausgeschenkt

werden darf, gefährdet das die Existenz der

Einrichtungen.

Während die CVP „einfach so schlicht, wie

banal und auch falsch argumentieren kann“,

Alkohol gehöre einfach nicht in Jugend-

häuser, so sagt die Gegenseite, dass die

Jugendarbeit klar machen müsse, dass es

„nur um einzelne Anlässe“ gehe.

(JSF)

Quelle:

www.barfi.ch „Barfi.ch

“ ist eine relativ neue Informationsplattform

für Basel. Laut Wikipedia will eine Gruppe um den

Wetterexperten Jörg Kachelmann damit „ein neuarti-

ges, elektronisches Medium vor allem für junge Leute

anbieten, auch über die Landesgrenzen hinweg“.

einfach nicht, zitiert die Zeitung den Abtei-

lungsleiter für Jugendpflege und Prävention

bei der Stadt Mönchengladbach, Henning

Wimmers: „Stillberatung, Schreiambulanz,

Elterncafés, Schulformberatung, Familienbil-

dungsstätten: da machten nur die mit, denen

es gar nicht so schlecht ging. Die wirklich

Bedürftigen blieben zu Hause.“ Wimmers gibt

aber zu verstehen, dass eine flächendecken-

de Arbeit unbezahlbar sei. Aktuell arbeiteten

sechs Kollegen in drei Stadtteilen. Von Rund-

umversorgung kann also keine Rede sein.

Sie wären ja schon froh bei der Stadt, wenn

zumindest alle Eltern wüssten, was es schon

alles gibt an Angeboten und Hilfe.

Dienstleister für Familien

Im übrigen weist der Jugendamtsvertreter

in der Wochenzeitung auf das Problem

hin, dass die Mitarbeiter der Jugendhilfe

nicht so sehr als Helfer gelten, sondern

eher als Kontrolleure, die „schlimmstenfalls

die Kinder wegnehmen“. Deshalb sollen

die Angebote jetzt zu den Eltern getragen

werden. „Passgenaue Angebote“ rein in

die Kitas und Schulen, da, wo Kinder und

Eltern sowieso sind. „Das ist Beziehungs-

arbeit“. Irgendwann kennen die Eltern die

Mitarbeiter und lassen sich helfen, sei es bei

Schimmel in der Wohnung oder Problemen

in der Schule. Die Sozialarbeiter sind jetzt

Dienstleister für Familien, die im Alltag nicht

allein zurechtkommen. Trotzdem sollte Ke-

kiz als kleines, aber lobenswertes Projekt

fortgeführt und ausgebaut werden.

(JSF)

www.zeit.de