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3/2015

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JUGENDSCHUTZ

FORUM

O

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angenommen. Vielerlei Kurse richten sich unmittelbar

an die Eltern selbst. Viele Eltern – und oftmals gerade

diejenigen, die die pädagogischen Fachkräfte gerne

in den Angeboten sehen würden – nehmen diese je-

doch nicht an. Sei es aufgrund fehlender Zugänge zur

Zielgruppe, Unsicherheit und Angst seitens der Eltern

oder auch aus organisatorischen Gründen. Es bedarf

einer individuellen Ansprache und Begleitung der El-

tern, um deren Vertrauen zu gewinnen. Dies erfordert

eine entsprechende Gesprächsführungskompetenz

der Pädagog/-innen, die diese allein über ihre bisheri-

ge Ausbildung – auch der eigenen Einschätzung nach

– nicht ausreichend mitbringen.

Um gezielt auch schwer erreichbare Eltern anzuspre-

chen und mit kurzen Interventionen einen motivieren-

den Dialog über Erziehungs- bzw. Präventionsfragen

einzuleiten, hat die ginko Stiftung für Prävention das

Schulungsprogramm Kita-MOVE für pädagogische

Fackkräfte im Früh- und Elementarbereich entwickelt.

Ziel des Ansatzes ist es, Kindern – über den Umweg

Eltern – bessere Chancen für ein Heranwachsen zu

freien, selbstbewussten, resilienten und lebenskom-

petenten Persönlichkeiten zu ermöglichen.

Alltagssituationen nutzen

Zielgruppe der Kita-MOVE-Schulung sind pädago-

gische Fachkräfte in Frühpädagogik und Elementar-

bereich. In keinem anderen Stadium des Heran-

wachsens der Kinder stehen die Fachkräfte in einem

vielfältigeren Kontakt mit den Eltern als während

der Kleinkind- und Vorschulzeit (tägliches Bringen

und Abholen, Elternnachmittage, Entwicklungs-

gespräche, Hausbesuche, Sprechstunden etc.).

Vorrangig erlernen und trainieren die Teilnehmer/

-innen, motivierende Elterngespräche zum Thema

Erziehungsverhalten zu gestalten. Die Fortbildung

ermutigt, Alltagssituationen und Gesprächsanlässe

zielgerichtet zu nutzen. Damit kann Kita-MOVE Eltern

motivieren, ihr Erziehungsverhalten zu reflektieren und

gar Unterstützungsangebote anzunehmen.

Die pädagogischen Fachkräfte werden in der Fort-

bildung (weiter-)qualifiziert, auf Eltern zuzugehen, die

eher schwierig zu erreichen sind. Das fällt besonders

dann schwer, wenn Eltern unmotiviert oder gar ab-

lehnend erscheinen. Es wird vermittelt, die Motivation

von Eltern einzuschätzen und zu fördern, zu Refle-

xionsprozessen über Erziehungsverhalten anzuregen

und ggf. zur Annahme der vielfältig vorhandenen, oft

aber nicht angenommenen Unterstützungsangebote

zu bewegen. Hilfreiche Interventionsmöglichkeiten

und wichtige Zeitfenster in der Entwicklung der

Kinder können so genutzt werden. Die gewonnene

Gesprächssicherheit erleichtert pädagogischen Fach-

kräften den wichtigen ersten Schritt und auch in der

weiteren Erziehungspartnerschaft, immer wieder ins

Entmutigte, frustrierte oder scheinbar gedankenlose

Eltern – pädagogische Fachkräfte beschreiben häufig,

dass sie sich für ihren Arbeitsalltag in der Kita zusätz-

liche Kompetenzen im Umgang mit Eltern wünschen,

insbesondere in schwierigen Erziehungssituationen.

Sie sind unsicher, wie sie Probleme ansprechen, zu

einer Reflexion des Erziehungsverhaltens anregen

oder gegebenenfalls Hilfsangebote vermitteln kön-

nen. Hilfreiche Interventionsmöglichkeiten und wichti-

ge Zeitfenster in der Entwicklung der Kinder werden

so nicht genutzt. Die Fachkräfte in der Kita fühlen sich

gerade mit der Elternarbeit häufig überfordert.

Für die pädagogischen Fachkräfte in der Kita stehen

naturgemäß zunächst die Kompetenzen in der Kin-

derbetreuung im Vordergrund. Den gewachsenen

Anforderungen an die Elternarbeit, etwa mit unter-

schiedlichen sozialen Milieus und Kulturen, veränder-

ten Familienstrukturen (Alleinerziehende, Patchwork,

Regenbogen, Geflüchtete), neuen Problemfeldern

und Aufgaben (z. B. digitale Medien) umgehen zu

müssen, stehen bereits in der Ausbildung zu we-

nig zeitliche und fachliche Ressourcen gegenüber.

Gleichzeitig wird in der Ausbildung wie auch von Poli-

tik und Gesellschaft gefordert, Eltern im Sinne einer

gelingenden Erziehungspartnerschaft möglichst breit

einzubeziehen – eine Forderung, der alle pädagogi-

schen Fachkräfte grundsätzlich zustimmen. Der Weg

dahin ist allerdings unklar und oft schwierig.

Individuell ansprechen und begleiten

Im Erziehungsprozess übernehmen die Eltern natur-

gemäß die zentralste Rolle. Manche Eltern benötigen

hierbei Unterstützung. Die fachlich gewünschte Er-

ziehungspartnerschaft aber bleibt zuweilen nur ein

guter Wunsch. Unterstützungsangebote für Eltern

werden zwar vielfältig angeboten, aber nicht von allen

Das Angebot vor d

Kita-MOVE – Motivierende Kurzintervention mit Eltern im

Kita-MOVE in der Umsetzung

Das Konzept „Kita-MOVE – Motivierende Kurzintervention mit Eltern“

wird seit 2007 in Nordrhein-Westfalen von der ginko Stiftung für Prä-

vention umgesetzt. Es basiert auf der Fortbildung „MOVE – Motivierende

Kurzintervention bei konsumierenden Jugendlichen“. Die Schulung um-

fasst drei Tage und wird von zwei zertifizierten Kita-MOVE-Trainer/-innen

durchgeführt. Idealerweise besteht ein solches Tandem aus einer Prä-

ventionsfachkraft und einer Fachperson aus dem Bereich der Früh- und

Elementarpädagogik. Die Qualität der Schulung wird über das evaluierte

Curriculum gewährleistet (Universität Bielefeld, Fachbereich Gesund-

heitswissenschaften). Die wissenschaftliche Begleitung hat den hohen

praktischen Nutzen und den Kompetenzzuwachs bei den Teilnehmer/-

innen belegt.

Seit 2016 wird Kita-MOVE von der Auridis gGmbh unterstützt. Ziel der

Förderpartnerschaft ist es, für diese Fortbildung bundesweit Strukturen

zu schaffen, um den Teilnehmenden vor Ort kurze Wege und geringe

Kosten zu garantieren.