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Erziehungspartnerschaft…

nur ein frommer Wunsch?

Dass eine Erziehungspartnerschaft von Eltern

und pädagogischen Fachkräften im Vorschul-

bereich oft nicht wirklich gelebt wird, führt

immer wieder zu Stress und Unzufriedenheit.

Das Kind erlebt, wie die Erziehenden wider-

sprüchliche Anforderungen stellen und unter-

schiedlich bewerten. Was die Mutter gut findet,

tadelt der Erzieher, was die Erzieherin lobt,

wird unter Umständen vom Vater gar nicht be-

achtet. Das Kind ist verunsichert und kann in

diesem Umfeld nicht einschätzen, was letztlich

richtig ist. Dies kann zu belastenden Loyali-

tätskonflikten führen, durch die sich das Kind

nicht aufgehoben fühlt und so nicht die nötige

Resilienz entwickelt.

5

3/2015

JUGENDSCHUTZ

FORUM

O

2 7

Dieser Artikel ist mit

freundlicher Genehmigung

aus dem AJS FORUM

2-2017 abgedruckt.

www.ginko-stiftung.de

Grafik: inAnlehnungandas„SpiralmodellderVeränderung“nachProchaska,u.a., 1994

Stadien der Verhaltensänderung

(TTM)

Vorbereitung

Absichtsbildung

Absichtslosigkeit

Aufrechterhaltung

Aktion

Weitere Informationen

unter

www.kita-move.de

Gespräch zu kommen. Dies fördert zugleich auch die

Arbeitszufriedenheit der pädagogischen Fachkräfte.

An Erfahrungen und Wissen anknüpfen

Inhaltlich basiert Kita-MOVE auf den Grundlagen der

Motivierenden Gesprächsführung nach Miller und

Rollnik und dem Transtheoretischen Modell der Ver-

haltensänderung (TTM) nach Prochaska u.a.

Angelika Fiedler

Leitung MOVE

g!nko Stiftung für Prävention

Landeskoordinierungsstelle

für Suchtvorbeugung NRW

a.fiedler@ginko-stiftung.de

m Angebot

lementarbereich

Daneben gibt es Raum für Hintergrundwissen zu

Gesundheit, Belastungen und Ressourcen und den

verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten für

Eltern und Kinder. Die Lotsenfunktion der pädagogi-

schen Fachkräfte wird genutzt. Kita-MOVE ist somit

ein hinführendes Element zum vielfältigen Blumen-

strauß der psychosozialen Hilfeleistungen, fördert

die Inanspruchnahme dieser Hilfen, ist eben „das

Angebot vor dem Angebot“. Dabei knüpft Kita-MOVE

an vorhandene Kompetenzen und Erfahrungen der

pädagogischen Fachkräfte an. Oftmals implizites,

aber verschüttetes Wissen wird explizit gemacht. Die

Ressourcen der Teilnehmenden werden mit neuen

Theorien und viel praktischer Umsetzung vertieft und/

oder erweitert.

Motivierend Gespräche führen

Der Ansatz der Motivierenden Gesprächsführung

hat sich bei der Begleitung von Menschen mit „un-

günstigem“ Verhalten als besonders hilfreich und

praxistauglich erwiesen. Ursprünglich entstanden,

um Menschen aus riskantem Suchtmittelkonsum zu

führen, wird der Ansatz mittlerweile weit darüber hin-

aus eingesetzt, ist oftmals nicht die Therapie selbst,

sondern therapiehinführend im Sinne einer Lotsen-

funktion. Übertragen auf Gespräche mit Eltern, kann

es darum gehen, zunächst zu erkennen, dass die

eigene Erziehung in Teilen besser sein könnte – ak-

tuell doch zu kontrollierend, zu verwöhnend, zu ein-

engend, zu vernachlässigend, zu wenig fördernd, zu

inkonsequent ist –, und sich nach und nach mit der

möglichen Veränderung/Verbesserung der Situation

zu befassen. Vielleicht nehmen die Eltern Hilfe an

(Erziehungsberatung, Haushaltshilfe, erzieherische

Hilfen etc.), vielleicht besuchen sie einen Elternkurs

oder eine Selbsthilfegruppe oder beantragen eine

Kur, vielleicht lassen sie ihr Kind fördern (Logopädie,

Motopädie, Sportverein etc.), vielleicht reflektieren sie

sich einfach selbst genauer und passen ihr Verhalten

ihren Zielen für ihr Kind an.

Haltung umsetzen

Die Haltung dieser Gesprächsführung ist geprägt

von Wertschätzung und Akzeptanz. Es wird an-

erkannt, dass die Eltern die Experten für ihre Kinder

und ihre eigene Situation sind und (fast immer) das

Beste für ihr Kind wollen. Diese Haltung – so die

Erfahrungen aus der Praxis – bringen viele Erzie-

her/-innen mit. Doch Haltung benötigt Fertigkeiten.

Eine solche Haltung in förderliche Gespräche umzu-

setzen, erfordert zunächst viel Beziehungsaufbau.

Hierbei hilft besonders das reflektierende Zuhören,

das Bestätigen (der positiven Seiten) und offenes

Fragen. Es geht um die Kunst, wertfrei Informatio-

nen zu geben, mit Widerstand konstruktiv umzu-

gehen und Widersprüche vorwurfsfrei anzuspre-

chen. Und es geht auch darum, die Eltern zu Für-

sprechern ihrer eigenen Veränderung zu machen.

Kita-MOVE erarbeitet mit den Teilnehmenden diese

Fertigkeiten. Denn es ist in der Praxis gar nicht so

leicht, die passenden (selbst-)motivierenden Worte

zu finden. Dies bedarf der ständigen Übung und

Reflexion.

Je nach Stand der Veränderungsmotivation sind unterschiedliche

Interventionen angemessen.