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2/2017

JUGENDSCHUTZ

FORUM

O

Magazin

Jugendliche wenden sich von der Politik ab

Nach Meinung der „Frankfurter Rundschau“ sind es „schockierende Zahlen“, die in der ersten

Aprilwoche vorgelegt wurden: 82 Prozent der jungen Menschen in Europa haben kein Vertrau-

en in die Politik. 90 Prozent glauben, dass die sozialen Ungleichheiten in ihren Ländern immer

größer werden und dass das „Finanzsystem“ die Welt bestimmt.

Das ist das Ergebnis der größten europäischen Jugendstudie, die es jemals gab. An der Studie

„Generation What?“ haben sich fast eine Million junger Menschen zwischen 18 und 34 Jahren

aus 35 Ländern Europas beteiligt. Für Deutschland waren die öffentlich-rechtlichen Sender

Bayerischer Rundfunk, Südwestrundfunk und das ZDF federführend. Der Abschlussbericht

für Deutschland ist schon seit November letzten Jahres fertig. Danach haben 71 Prozent der

jungen Deutschen kein Vertrauen in die Politik. Die Mehrheit von ihnen findet das Bildungssys-

tem ungerecht. Nur fünf Prozent sind uneingeschränkt der Meinung, dass das Bildungssystem

allen gleiche Chancen bietet. Und 86 Prozent vertreten die Meinung, dass die soziale Ungleich-

heit in Deutschland wächst.

(JSF)

www.meedia.de

Bundesjugendkuratorium

zum Präventionshype

In einer Stellungnahme setzt sich das

Bundesjugendkuratoriums (BJK) mit den

aktuellen Gesetzen und Konzepten zur Prä-

vention von Kindern und Jugendlichen aus-

einander. Das BJK fragt nach den Chancen

und Grenzen von Prävention mit Bezug auf

Kindheit und Jugend und fordert eine Klä-

rung zukünftiger Konzepte.

In der 48 Seiten umfassenden Stellung-

nahme „Prävention, Kinderschutz und

Gesundheitsförderung bei Kindern und Ju-

gendlichen. Anmerkungen zu aktuellen Prä-

ventionspolitiken und

-diskursen“ regt das

BJK an, Prävention in

den Kontext anderer

Konzepte in der Kin-

der- und Jugendhilfe

einzureihen. Der Be-

griff der Förderung

von Gesundheit und

Wohlergehen müsse

stärker in den Blick

genommen werden – statt den Präventions-

begriff expansiv zu betonen.

Das BJK erkenne Prävention an, wo sie

pragmatisch umsetzbar sei, und hinterfrage

Prävention, wo Erwartungen überzogen

erscheinen. Es fragt danach, welche Prob-

leme sich mit Präventionskonzepten lösen

ließen und welche nicht.

(JSF)

Keine Tabakwerbung vor Schulen?

Viele Computerspieler sind älter als 50 Jahre

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STELLUNGNAHMEDESBUNDESJUGENDKURATORIUMS

PRÄVENTION

KINDERSCHUTZ

GESUNDHEITSFÖRDERUNG

KINDER

JUGENDLICHE

PRÄVENTION,

KINDERSCHUTZ UND

GESUNDHEITSFÖRDERUNG

BEIKINDERNUND JUGENDLICHEN

ANMERKUNGEN ZUAKTUELLEN

PRÄVENTIONSPOLITIKENUND -DISKURSEN

BJK_A5_Praevention_lv 03.03.17 18:56 Seite 1

Im Bewusstsein der Bevölkerung ist die

Vorstellung fest verankert, dass Computer-

spielen ein typisches Jugendphänomen sei.

Die neusten Zahlen der Computerspielebran-

che zeigen etwas anderes: Videospieler am

Computer, an Konsolen und Smartphones

werden im Schnitt immer älter. Aktuell liegt

das Durchschnittsalter bei 35,5 Jahren. 2011

lag dieser Wert noch bei 31 Jahren.

Hintergrund des steigenden Durchschnitts-

alters ist nach Angaben des Bundesver-

bandes Interaktive Unterhaltungssoftware

(BIU) das starke Wachstum der Spieler in

der Altersgruppe 50+: Die Zahl der Gamer in

diesem Alterssegment wuchs innerhalb von

zwölf Monaten um eine halbe Million auf ins-

gesamt 8,7 Millionen Menschen. Damit stellt

die Gruppe rund ein Viertel (25 Prozent) aller

Spieler in Deutschland. Mehr als jeder Zweite

(58 Prozent) ist älter als 30. Die jüngeren

Spieler bis 19 Jahre hingegen machen mit

neuen Millionen nur gut ein Viertel (26 Pro-

zent) der insgesamt 34,1 Millionen Videospie-

ler in Deutschland (entspricht 46 Prozent der

Gesamtbevölkerung) aus.

(JSF)

www.biu.de

22. Deutscher Präventionstag in Hannover

„Hunger nach Prävention“

dern muss auch stärker die

Chancen unterstützen. Es

dürfe nicht nur um Repres-

sion gehen, es ist genauso

ein Mehr an Strategien und Haltungen zur

Förderung von erwünschtem Verhalten in

politischen und gesellschaftlichen Gruppie-

rungen notwendig. Marks sprach sich für

eine „strategische, nachhaltige wirkungs-

orientierte Prävention“ aus mit „dauerhaften

Ansätzen“. Prävention ist seiner Meinung

nach vor allem eine Frage der Haltung.

Der Deutsche Präventionstag findet jedes

Prävention ist „in aller Munde“. Nach Mei-

nung von Erich Marks können die Verant-

wortlichen mit dem Zustand „außerordent-

lich zufrieden“ sein. Zum Auftakt des 22.

Deutschen Präventionstages am 19. Juni in

Hannover sprach der Geschäftsführer des

DPT von „präventionshungrigen und prä-

ventionserforderlichen Zeiten“.

Dennoch ist er nicht ganz zufrieden: Ange-

sichts einer Vielzahl unerwünschter gesell-

schaftlicher Entwicklungen sind seiner Mei-

nung nach deutlich mehr Präventionsmaß-

nahmen, Präventionsorientierungen und

Präventionsstrategien gefordert. Die Forde-

rung nach „mehr Prävention“ erscheint aber

nicht selten als „wohlmeinende Worthülse“

oder wird zu einem „neuen Wundermittel“

stilisiert, ohne dass genauere Vorstellungen,

Planungen und Hinweise auf konkret be-

absichtigtes politisches oder praktisches

Handeln damit verbunden wären.

Anderseits darf die Forderungen nach

„mehr Prävention“ nicht nur Gefahren und

Gelegenheiten in den Blick nehmen, son-

Jahr in verschiedenen Städ-

ten zu einem aktuellen The-

ma statt. Neben der Kriminal-

prävention werden Themen

wie die Suchtprävention, die Verkehrsprä-

vention und verschiedene Präventionsberei-

che im Gesundheitswesen behandelt. Der

diesjährige, 22. Präventionstag in Hannover

stand unter dem Motto „Prävention und

Integration“. Rund 3000 Fachleute, 600

Experten und über 150 Organisationen und

Institutionen auf der kongressbegleitenden

Ausstellung nahmen daran teil.

(JSF)

Bislang konnte sich der Bundestag nicht

zu einem umfassenden Tabakwerbever-

bot durchringen. Teile der Unionsfraktion

blockierten entsprechende Bemühungen,

obwohl aus dem Verbraucherschutzminis-

terium von Minister Christian Schmidt (CSU)

ein Gesetzentwurf vorliegt.

Wie aus Presseberichten hervorgeht, wol-

len CDU und CSU das strittige Thema der

Außenwerbung mit einem Kompromiss zu

Ende bringen: So soll vor Schulen und Ju-

gendeinrichtungen nicht mehr fürs Rauchen

geworben werden dürfen. Und ob es über-

haupt zu einem solchen „Außenwerbeverbot

nur in Ausnahmefällen“ kommen wird, ist an-

gesichts der ablehnenden Haltung der SPD

gegenüber dem Kompromissvorschlag der

CDU/CSU ungewiss.

Bei Redaktionsschluss

lag keine Entscheidung vor. (JSF)